Von Exodus bis Eucharistie

– über Pessach zu Ostern

Viele Feste erinnern an etwas, das in der Vergangenheit geschehen ist. An deinem Geburtstag feierst du deine Geburt. An Weihnachten feiern wir die Geburt von Jesus. In jeder Religion gibt es Feste, die an besonders wichtige Ereignisse erinnern.

Aufgabe 1

  • Welche Feste feierst du mit deiner Familie? Welches ist dein Lieblingsfest? An was erinnert dieses Fest? Tausche dich mit anderen über diese Fragen aus.
Foto eines Bodenbildes: Sand mit Spuren, Pyramide aus Holz, zwei blaue Tücher, die einen Streifen Sand freilassen, dahinter steht eine Gruppe von Holzfiguren.
© privat

Aufgaben 2

  • Schau dir das (Boden)-Bild (M1) an.
  • Erinnerst du dich an die biblische Geschichte, die hier erzählt wird? Ergänze passende Satzstreifen und lege diese an die entsprechende Stelle im (Boden-)Bild.
    Zum Beispiel: „Das Volk der Israeliten musste in Ägypten als Sklaven arbeiten.“ -> Pyramide

Für Jüdinnen und Juden ist das Pessachfest ein besonderes und wichtiges Fest. Es erinnert sie jedes Jahr daran, wie Gott ihr Volk aus Ägypten befreit hat. Auch Jesus war Jude und hat mit seinen Eltern das Pessachfest gefeiert, das mit dem Sederabend beginnt.

Erzählvorlage
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  • Wie Jesus als Kind Pessach gefeiert haben könnte (frei erzählt)

  • Die Sonne ist gerade hinter den Hügeln von Nazareth verschwunden. Im Haus von Maria und Josef riecht es nach frischem Brot und leckerem Essen.

    Jesus sitzt auf der Bank am Tisch und schaut neugierig zu seiner Mutter. „Mama, ist heute der Abend?“, fragt er.

    Maria lächelt. „Ja, heute beginnt unser Pessachfest. Gleich kommen deine Cousins und Cousinen.“

    Jesus freut sich. Pessach ist eines seiner Lieblingsfeste.

    Josef stellt kleine Schalen auf den Tisch. Eine mit Kräutern. Eine mit Salzwasser. Eine mit einer süßen Apfelmischung. Und noch andere Speisen.

    Jesus kennt das schon ein bisschen, aber jedes Jahr erklärt sein Vater alles noch einmal.

    Nach und nach füllt sich das Haus. Stimmen, Lachen, Schritte. Alle setzen sich an den Tisch.

    Jesus ist das jüngste Kind. Darum darf er fragen: „Warum unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?“

    Josef schaut in die Runde: „Wir feiern, dass Gott unser Volk aus Ägypten befreit hat!“ Und er beginnt mit der alten Erzählung der Errettung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten.

    Dann tauchen alle ein Stück Kraut in das Salzwasser. Jesus verzieht das Gesicht.
    „Das schmeckt aber salzig!“

    Seine Cousine lacht. Josef erklärt:

    „Jede Speise hat eine Bedeutung. Das Salzwasser erinnert an die vergossenen Tränen unseres Volkes. Sie erinnern an das Leid, während unser Volk als Sklaven bei den Ägyptern arbeiten musste. Die bitteren Kräuter erinnern uns an die bitteren Zeiten.“ Dann essen sie etwas von der braunen Apfelmischung.

    „Und das?“ fragt Jesus.

    „Das erinnert daran, dass die Menschen Ziegel aus Lehm herstellen mussten“, sagt Maria. „So wie die Kartoffel hier, die an die schwere Arbeit in der Erde erinnert.“

    „Aber du weißt ja, wir haben auch das, was uns daran erinnert, dass Gott unserem Volk geholfen hat.“

    Jesus hört aufmerksam zu und nickt.

    „Ja, ich weiß. Der gebratene Knochen erinnert uns an das Schlachten des Lammes am Abend des Auszugs aus Ägypten. Und das ungesäuerte Brot, an die Flucht. Es war keine Zeit mehr für anderen Teig.“ 

    Er stellt sich vor, wie das Volk Israel durch das Meer zieht.
    Wie Gott sie in die Freiheit führt.

    „Und vergiss nicht das Ei, das für die Freiheit steht,“ sagt Josef und lächelt seinen Sohn Jesus zufrieden an.

    Später sitzen alle noch lange zusammen. Sie erzählen Geschichten, lachen und essen. Jesus schaut in die Runde.

    Seine Familie. Seine Freunde. Alle zusammen an einem Tisch.

    Jesus denkt: Dieses Fest erinnert uns daran, dass Gott sein Volk nie allein lässt. Das ist schön!

    (privat)

Foto eines Sedertellers mit symbolischen Speisen und Becher.
© privat

Aufgaben 3

  • So könnte es gewesen sein: Lass dir die Geschichte „Wie Jesus als Kind Pessach gefeiert haben könnte“ vorlesen (Erzählvorlage M2).
  • Achte beim Zuhören auf die verschiedenen Speisen und ihre Bedeutung.
  • Ergänze im (Boden-)Bild (M3) Karteikarten mit den Speisen: Kartoffel, Ei, Lamm-Knochen, bittere Kräuter, Charosset (braunes Fruchtmus), Salzwasser, Matzen (ungesäuertes Brot) und ihre Bedeutung.
  • Vergleiche mit deinem Lieblingsfest. Gibt es da auch besondere Speisen? Haben sie eine besondere Bedeutung? Was ist der Unterschied zu diesen Speisen?

Zum Pessachfest kam Jesus auch als Erwachsener nach Jerusalem und hat dort mit seinen Freunden das letzte Abendmahl gefeiert, bevor er am Kreuz sterben musste. Dabei hat Jesus seinen Freunden einen Auftrag gegeben.

Und er nahm das Brot, sprach das Dankgebet, brach es und reichte es ihnen mit den Worten:

„Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“

Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte:

„Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für Euch vergossen wird.“

Foto eines Kelchs und Krugs, davor 13 Holzkegelfiguren
© privat

Aufgaben 4

  • Lies die Bibelstelle (M4) (nach Mt 26,26-28) dazu und schau dir das Bild (M5) an.
  • Klärt unbekannte Wörter.
  • Beschreibe, was Jesus tut und erzähle mit eigenen Worten, was Jesus sagt.
  • Was meinst du, will Jesus mit den Worten seinen Jüngern sagen?

Jesus hat gesprochen: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Wenn wir heute im Gottesdienst „Eucharistie“ feiern (M6), tun wir auch heute genau das. Wir erleben Gemeinschaft miteinander und ganz konkret mit Jesus im gewandelten Brot.

Die Hostien sind auch ungesäuerte Brote, wie das Brot beim Sederabend.

Und der Name „Ostern“ ist in vielen europäischen Sprachen von Pessach abgeleitet (z.B. Italienisch oder Türkisch).

Foto von goldener Schale mit Hostien, Kelch und Kerze
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Aufgaben 5

  • Recherchiert und sammelt weitere Sprachen, in denen das Wort für „Ostern“ auf Pessach zurückgeht.
  • Diese 3000 Jahre Geschichte vom Auszug des Volkes Israel bis heute verbindet Juden und Christen. Hättest du das erwartet? Was denkst du darüber?
  • Was wusstest du schon? Was hast du Neues gelernt?

Kompetenzerwartungen
(Lehrplan Primarstufe NRW, 2021, Ende der Klasse 4)

Die Schülerinnen und Schüler …
• beschreiben das Alte Testament als jüdische Wurzel des christlichen Glaubens,
• recherchieren und präsentieren – auch digital – Elemente des jüdischen Glaubens (Tora, Schabbat, Pessach, Synagoge),
• beschreiben zentrale religiöse Ausdrucksformen in Judentum, Christentum, Islam und in einer weiteren Religion ihrer Lebenswelt.

Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer:

Die biblische Geschichte vom Auszug aus Ägypten sollte vorher bekannt sein.

Im Rahmen der Unterrichtsreihe entsteht ein Weg-Bodenbild auf einem braunen Tuch, in dem nach und nach der Exodus, das Pessachfest, das letzte Abendmahl und Eucharistie symbolhaft in einer Reihe ergänzt werden. Alternativ können die Fotos dieses Beitrags genutzt werden.