Religiöse Feste feiern, vergleichen und „nachfeiern“?!

Hinführung

Lies die folgenden Alltagssituationen M1 aufmerksam durch und bearbeite anschließend zugehörige Aufgaben.

Situation 1

Mia ist bei ihrer besten Freundin Sophie zu einer Party eingeladen. Am Tag zuvor waren sie gemeinsam Anziehsachen einkaufen und haben sich darauf geeinigt, welche verschiedenen Oberteile sie tragen werden. Auf der Party sieht Mia sofort, dass Sophie sich doch für das gleiche Oberteil wie Mia entschieden hat. Mia fühlt sich auf einmal…

Situation 2

David nimmt nach einer längeren Verletzung wieder an einem Fußballturnier seiner Mannschaft teil. Er sitzt dabei zunächst auf der Bank und sein Freund Martin, den er vor einem Jahr mit zur Mannschaft gebracht hat, spielt von Beginn an auf seiner Lieblingsposition. Es fühlt sich komisch an und bei der Einwechslung nach der Pause kann David Martin gar nicht in die Augen schauen …

Aufgaben 1

  • Erläutere die Gefühle von Mia und David in den jeweiligen Situationen. 
  • Arbeite begründet mögliche Motive dafür heraus. 
  • Optional: Entwirf weitere Situationen mit einer vergleichbaren Intention. 

Eindrücke und Erfahrungen

Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern tauscht sich über besondere Erlebnisse und Ereignisse aus den vergangenen Ferien aus. Dabei kommen sie auch auf religiöse Eindrücke und Erfahrungen zu sprechen …

Erfahrung 1

Stefan erzählt, dass er mit seinen Eltern und einer großen Reisegruppe in China unterwegs war.

Beeindruckt haben ihn als Christ die großen buddhistischen Tempelanlagen. So viele verschiedene Ahnenschreine mit Räucherstäbchen, die vielen wehenden Fahnen und die großen und kleinen Gebetsmühlen hatte er so nicht erwartet.

Der Reiseleiter hat auch ihn ermuntert ein Räucherstäbchen für seine Familie anzuzünden und die örtlichen Gebetsmühlen zu drehen …

Erfahrung 2

Matthias war mit seiner Familie bei der Familie seines Cousins in München zu Besuch.

In der Woche vor Ostern hat sein Cousin ihn in die örtliche Gemeinde zur Nachfeier eines Pessachfestes mitgenommen.

Vor Beginn hat der örtliche Diakon auch ihm die Füße in einer Schale gewaschen.

Es gab jüdische Musik und Gebete. Einige Passagen aus dem Alten Testament hat sogar sein Cousin vorlesen dürfen.

Am Ende gab es für jeden Matzen und ein Stück Lammfleisch zu essen …

Aufgaben 2

  • Ordne der jeweiligen Erfahrung eine Religionsgemeinschaft zu und erläutere den religiösen Hintergrund bzw. Kontext. 
  • Erarbeite begründet – vor dem Hintergrund der Gefühle aus M1 -, welche Person bzw. Personengruppen die Erfahrungen in M2 als eher kritisch wahrnehmen würde.
  • Bewerte auf der Grundlage der bisherigen Aufgaben und Materialien die Idee, dass man als Andersgläubiger (oder Nichtgläubiger) konkrete Rituale oder sogar besondere Feste einzelner Religionsgemeinschaften nicht „nachmachen“ oder „nachfeiern“ sollte. Entfalte außerdem mögliche Gründe dafür. 

Vertiefung zum Nebeneinander religiöser Rituale und Feste im Judentum und im Christentum

Wusstest du, dass jüdische Menschen schon fast ewig in Deutschland leben? Im Jahr 2021 feierte man ein ganz besonderes Jubiläum, das zeigt, wie tief die jüdische Geschichte in unserem Land verwurzelt ist. Alles begann im Jahr 321 nach Christus. Damals wurde in der Stadt Köln zum ersten Mal offiziell eine jüdische Gemeinde erwähnt. Das ist mittlerweile über 1700 Jahre her! Weil das so eine unglaublich lange Zeit ist, gab es im Jahr 2021 überall in Deutschland große Feste und Aktionen unter dem Namen „#2021 Jüdisches Leben in Deutschland“.

Die christlichen Kirchen (katholisch und evangelisch) wollten dieses Jubiläum nutzen, um zu zeigen, wie eng das Judentum und das Christentum eigentlich zusammengehören. Deshalb starteten sie eine Kampagne mit dem Titel „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“. Gemeinsamkeiten: Wo feiern beide Religionen ähnliche Dinge? Unterschiede: Was macht jede Religion auf ihre eigene Art besonders?

In Nordrhein-Westfalen haben sich die Kirchen zusammengetan und für jeden Monat ein spezielles Plakat entworfen. Insgesamt gab es 12 Plakate. Jedes davon zeigte einen jüdischen Feiertag und einen christlichen Feiertag im Vergleich. Das Ziel der Aktion war es: Das Wissen über das jüdische Leben in die Schulen und Gemeinden zu bringen. Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Zu zeigen, dass das Judentum die „Wurzel“ des Christentums ist. Dabei war es wichtig, dass viele verschiedene Stimmen gehört wurden – sowohl von modernen (liberalen) als auch von sehr streng gläubigen (orthodoxen) jüdischen Menschen. Die Kampagne sollte den Menschen zeigen, dass jüdisches Leben nicht erst seit kurzem existiert, sondern schon seit der Zeit der Römer ein fester Teil unserer Kultur und Geschichte ist. Es ging darum, Vorurteile abzubauen und zu erkennen: Wir sind uns oft viel näher, als wir im ersten Moment denken!

Erzbistum Köln
„jüdisch und christlich“

Interview
mit Thomas Frings

#beziehungsweise
Plakate

Plakat zum Thema Pessach und Ostern als Fest im Juden- und Christentum
© Erzbistum Köln, Munns

Aufgaben 3

(zu M3 und M4)

  • Nimm dir Zeit, um die Materialien M3 und M4 in Ruhe in den Blick zu nehmen.
  • Fasse zentrale Inhalte und Aspekte übersichtlich – zum Beispiel in einer Mindmap – zusammen.
  • Vergleicht eure Ergebnisse im Plenum und ergänzt eure Übersichten gegebenenfalls. 

Aufgaben 4

(zu M5)

Teilt eure Lerngruppe in etwa gleich große Arbeitsgruppen auf. Verteilt die zwölf Festtage und zugehörigen Plakate gleichmäßig auf eure Arbeitsgruppen – ihr werdet zu Expertinnen und Experten für eure Feste.

  • Arbeitet heraus, welche Festtage euch jeweils vorliegen und worin das Besondere dieser besteht. Informiert euch gegebenenfalls durch eine Internetrecherche näher zu den einzelnen Festtagen. 
  • Erläutert und beurteilt, inwiefern das jüdische und das christliche Fest in Beziehung gesetzt werden (können). Erörtert mögliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
  • Stellt euch eure Ergebnisse gegenseitig im Plenum vor.

Kreative Reflexion

In eurem Kurs soll eine Podiumsdiskussion zum Thema „Religiöse Rituale und Feste im Judentum und im Christentum“ durchgeführt werden. Die folgenden Leitfragen und -gedanken können euch bei der Gestaltung und der sich anschließenden Durchführung helfen:

Aufgaben 5

Teilt eure Lerngruppe in (idealerweise) gleichgroße Arbeitsgruppen auf. Verteilt die zwölf Festtage und zugehörigen Plakate (gleichmäßig) auf eure Arbeitsgruppen – ihr werdet zu Expertinnen und Experten für eure Feste.

  • Welche Vertreterinnen und Vertreter beider Religionen sollen als Rollen eingebunden werden?
  • Wie kann ein Ablauf aussehen und eine Moderatorin oder ein Moderator sinnvoll durch die Diskussion führen?
    Möglicher Ablauf: Vorstellung der Vertreterinnen und Vertreter – die einzelnen Vertreter/innen stellen zentrale Aspekte ihres Glaubens, zum Beispiel anhand von zwei bis drei Festen vor – Diskussion der Bedeutung der Festtage, aber auch zugehöriger Gemeinsamkeiten und Unterschiede – möglicher Ausblick.
  • Was sind zentrale Anliegen oder Fragen in diesem Themenfeld, die eine kurzweilige und faire Diskussion ermöglichen?

Kompetenzerwartungen
nach dem Kernlehrplan für die Sek I

Die Schülerinnen und Schüler …

… beschreiben zentrale Rituale und religiöse Handlungen in Judentum und Christentum als Gestaltungen des Glaubens und Lebens (IF 6, SK),

… recherchieren in digitalen Medienangeboten zur Erschließung religiös relevanter Themen (MK),

… nehmen zu einseitigen Darstellungen von Menschen jüdischen und christlichen Glaubens im Alltag oder in den Medien Stellung (IF 6, UK),

… erörtern Chancen und Herausforderungen eines respektvollen Miteinanders von Menschen jüdischen und christlichen Glaubens im Alltag (IF 6 + IF 7, UK).

Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer:

Im Zuge der Kampagne „Näher als du denkst – jüdisch beziehungsweise christlich“ sind ganze Unterrichtseinheiten entwickelt und veröffentlicht worden. Diese finden Sie hier: https://www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de/unterrichtsmaterial/

Weitere und vertiefende Informationen sowie Fragestelllungen finden Sie außerdem auf der Homepage des Erzbistums:

https://www.erzbistum-koeln.de/seelsorge_und_glaube/kirche_im_dialog/interreligioeser_dialog/unsere_arbeit/judentum/