Ein hörendes Herz von Gott – für mich, für andere,
für Gerechtigkeit und Liebe zwischen Menschen und Religionen
Im Alten Testament der Bibel wird von König Salomo berichtet, der ungefähr 1000 Jahre vor Jesus Christus lebte. Im Alten Testament wird die Geschichte des Volkes Israel mit Gott beschrieben. Gott wird darin meistens Jahwe genannt. Die Menschen des Volkes Israel werden heute Juden genannt. Mit ihnen gemeinsam haben wir Christen das Alte Testament in der Bibel, das viel über unseren Gott und seine Beziehung zu uns Menschen erzählt. Einer davon ist König Salomo, der eine Bitte an Gott äußern durfte.
Aufgaben 1
- Stell dir vor, Gott fragt dich, welche Bitte du an ihn hast. Überlege dir deine Bitte gut und schreibe sie auf eine Karte.
- Tauscht euch darüber aus und begründet eure Entscheidung für diese Bitte.
In Gibeon erschien Jahwe Salomo nachts im Traum und sprach: „Wünsche, was ich dir geben soll.“ Salomo antwortete: „Meinem Vater David hast du so viel Gutes getan, dass er treu, gerecht und mit aufrechtem Herzen lebte. Du hast ihm einen Sohn geschenkt, der jetzt auf dem Thron sitzt. Doch ich bin sehr jung und weiß nicht aus noch ein, wie ich mich als König verhalten soll. So gib deinem Diener ein hörendes Herz, damit der deinem Volk gerecht wird und das Gute vom Bösen unterscheiden kann.“ Das gefiel Gott: „Du hast nicht um langes Leben, Reichtum und den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht und gerechtes Urteilen gebeten. Ich erfülle deine Bitte und gebe dir ein weises Herz, wie es nie zuvor jemand hatte.“ (nach 1. Buch der Könige, Kapitel 3, Verse 5 bis 12)
Aufgaben 2
- Lies die Einführung und den Bibeltext. Tauscht euch darüber aus.
- Schreibt auf eine Karte, was König Salomo sich wünscht. Legt eure Karten aus Aufgabe 1 dazu.
- Was denkt ihr über die Bitte des Königs Salomo? Was bedeutet ein hörendes Herz?
- Was für ein König ist Salomo, wenn er eine solche Bitte äußert? Stellt Vermutungen an und begründet sie.
- Lies die folgende Geschichte über König Salomo.
Eines Tages kamen zwei Frauen und traten vor den König Salomo. Die eine sagte: „Ach, mein Herr, ich und diese Frau wohnen im gleichen Haus, und dort habe ich in ihrem Beisein ein Kind geboren. Drei Tage später gebar auch diese Frau. Wir waren allein, und in der Nacht starb der Sohn dieser Frau, weil sie ihn im Schlaf erdrückt hat. Sie stand auf und nahm mir das Kind weg. Ihr totes Kind aber legte sie an meine Seite. Als ich am Morgen mein Kind stillen wollte, sah ich ein totes Kind neben mir! Doch ich konnte es unterscheiden, es war nicht mein Kind.“
Da rief die andere Frau: „Nein, das lebendige Kind ist mein Sohn, das tote ist dein Sohn!“ Die erste Frau aber entgegnete: „Nein, dein Kind ist tot und mein Kind lebt.“ So stritten sie vor dem König. Salomo aber sprach: „Die eine sagt es so, die andere andersrum. Holt mir ein Schwert!“ Sie brachten es dem König. Der entschied: „Schneidet das lebendige Kind entzwei und gebt eine Hälfte der einen, die andere Hälfte der anderen!“ Da flehte die Mutter des lebenden Kindes den König an, denn in ihr war die Liebe zu ihrem Kind: „Ach mein Herr, gebt der Frau das Kind, aber töten, niemals dürft ihr es töten!“ Die andere aber rief: „Weder mir noch dir soll es gehören. Zerteilt es!“
Da befahl der König: Gebt jener das lebende Kind, die sagt: Töten dürft ihr es niemals! Sie ist die Mutter.“ Ganz Israel hörte von dem Urteil Salomos und war voll Ehrfurcht. Denn sie erkannten, dass die Weisheit Gottes in seinem Innern war. (nach 1. Buch der Könige, Kapitel 3, Verse 16 bis 28)
Aufgaben 3
- Tauscht euch aus und findet heraus, warum König Salomo weise genannt wird.
- Erklärt, warum König Salomo wusste, dass sein schrecklicher Vorschlag die Wahrheit ans Licht bringen würde.
- Welche Gefühle und Gedanken hatte die wirkliche Mutter? Schreibt auf Wortkarten, was ihr an dieser Mutter bewundert, und legt sie zu den anderen Karten.
- Nehmt jeweils drei Klebepunkte und klebt je einen auf die Karten, die euch auch für euer Leben besonders wichtig sind.
- Tauscht euch darüber aus, welche Karten viele Punkte haben und warum andere vielleicht wenige haben.
Aufgaben 4
- Betrachtet das Bild und stellt fest, welchen Moment aus der Geschichte der Künstler gemalt hat.
- Wie zeigt der Maler, dass Salomos Überlegung richtig war? Tauscht euch aus.
- Malt eine Schwarz-Weiß-Kopie des Bildes in passenden Farben an und erklärt eure Farbwahl.
- Lies zum Abschluss den folgenden Info-Text und markiere Sätze, die für dich besonders wichtig sind.
Die Erzählung von Salomo verbindet Juden und Christen, weil es in dem Teil der Bibel steht, den beide Religionen miteinander teilen. Bis heute, also etwa dreitausend Jahre später, wird von einem salomonischen Urteil gesprochen, wenn eine Entscheidung den Menschen besonders weise erscheint.
Das Volk Israel wurde zu der Zeit Salomos von einem König regiert. Er war jedoch der letzte König. Danach hat das Volk Israel lange auf einen neuen König gewartet, der ihnen vom Propheten Jesaja angekündigt worden war. Dieser König ist Jesus, so glaubten diejenigen Juden, die sich später Christen nannten und diesen Glauben an Jesus Christus in der Welt verbreiteten. Bis heute ist Jesus für viele Juden nicht der neue König und sie leben nach ihrer Schrift, der Tora. Beide Religionen verbindet seit fast zweitausend Jahren der Teil der jüdischen Tora, der für uns Christen das Alte Testament ist. Das Christentum hat also jüdische Wurzeln in seinen biblischen Texten und in Jesus selbst, der Jude war.
Lehrplanbezug (LP NRW GS ab 1.8.2021) – Kompetenzerwartungen am Ende der Klasse 4:
Die Schülerinnen und Schüler …
Bereich Die Frage nach Gott
Schwerpunkt: Gott begleitet auf dem Lebensweg
• erörtern an biblischen Erzählungen das Verständnis von Gott als Gott der Freiheit und der Gerechtigkeit
• erläutern anhand biblischer Erzählungen die aktive und Verantwortung übernehmende Rolle von Frauen und Männern
Bereich Die Bibel
Schwerpunkt: Die Bibel als eine Sammlung von Büchern und als das Buch der Kirche
• beschreiben das Alte Testament als jüdische Wurzel des christlichen Glaubens.