„… und er hauchte sie an“ (vgl. Joh 20,23). Was während der Corona-Pandemie aufgrund der Ansteckungsgefahr völlig undenkbar war oder manch einen in Schrecken versetzt, wenn man auf der Rückfahrt von einer Feier in eine Polizeikontrolle kommt, ist in der Bibel ein wiederkehrendes Motiv: der Atem. Unser Lebenselixier, welches ohne unser Zutun in uns wirkt. Der Atem kommt und geht, sagt aber viel über unseren Gemütszustand aus: „Mal tief durchatmen!“, „Der Anblick raubt mir den Atem“, „Das hat mich ganz schön in Atem gehalten!“ – all diese Redewendungen zeigen, welch zentrale Rolle der Atem in unserem Leben spielt.
Schlägt man die Bibel auf, so stößt man gleich im zweiten Vers auf den hebräischen Begriff ruach. Er meint zunächst ein Wehen, Brausen und Hauchen – griechisch bzw. lateinisch übersetzt als pneuma / spiritus – und wird dort mit der Geistkraft Gottes gleichgesetzt. Sie bringt Ordnung in das Chaos der Urflut (Gen 1,2). Ein Kapitel weiter wird sehr bildhaft beschrieben, wie Gott den Menschen aus Lehm formt, ihm in die Nase den Lebensatem bläst – ihm damit das Leben schenkt (Gen 2,7) als eine Gabe. Gott als Geber dieses Geschenks ist damit präsent – in mir – und es ist sein Wille, dass ich lebe.