Edith Stein – Brückenbauerin zwischen jüdischer Tradition und Christentum

Ein Bronzedenkmal mit drei Frauenfiguren, links eine Ordensfau, dahinter eine stehende Frau, rechts sitzend eine Frau mit Davidstern. Im Vordergrund rechts ein Haufen von Schuhen.
© privat

Denkmal für die Hl. Edith Stein am Börsenplatz, Köln.                           

Seit 1999 steht das vom Düsseldorfer Bildhauer Bert Gerresheim gestaltete Bronzedenkmal auf dem Börsenplatz, direkt vor dem Erzbischöflichen Priesterseminar. Es trägt den Namen „Gruppenbild einer Heiligen“. Er hat in diesem Denkmal sehr ausdrucksstark das Leben der Märtyrerin, Philosophin, Frauenrechtlerin und Karmeliter-Nonne Edith Stein (1891 – 1942). Wer war diese Frau, der zu Ehren dieses auffällige Denkmal errichtet wurde?

Edith Stein – Eine moderne Heilige des 20. Jahrhunderts

Edith Stein wurde am 12. Oktober 1891 als jüngstes von 11 Kindern jüdischer Eltern in Breslau geboren. Kritisch und zunächst bekennend atheistisch begegnete sie der familiären Tradition. Sie studierte u. a. Philosophie. Sie begegnete dem christlichen Glauben durch die Lektüre der Autobiographie der Teresa von Avila. 1922 konvertierte sie durch die Taufe zur römisch-katholischen Kirche und arbeitete als Lehrerin, bis ihr aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ein Berufsverbot in der akademischen Lehre auferlegt wurde.

1933 trat sie in den Kölner Karmel-Orden ein und nahm den Namen Theresia Benedicta a Cruce (Theresia Benedicta von Kreuz) an. Aufgrund ihrer Herkunft und ihres Engagements gegen die Verfolgung jüdischer Bürger musste sie vor den Nationalsozialisten in die Niederlande fliehen und fand am Silvestertag 1938 Aufnahme im Karmel von Echt.

Edith Stein wurde mit ihrer Schwester Rosa Stein von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo sie am 09. August 1942 in der Gaskammer ermordet wurde. Die Opferbereitschaft Edith Steins für das jüdische Volk und den katholischen Glauben veranlassten Papst Johannes Paul II dazu, diese am 01. Mai 1987 in Köln seligzusprechen. Die Heiligsprechung erfolgte dann am 11. Oktober 1998 in Rom.

Ein Bronzedenkmal von Edith Stein mit drei Frauenfiguren, links eine Ordensfau, dahinter eine stehende Frau, rechts sitzend eine Frau mit Davidstern.
© privat
Auf dem Bild sind drei Frauen zu erkennen (s. auch Bild oben / Gesamtsicht). Das Denkmal wurde 1999 vom Bildhauer Bert Gerresheim erstellt und zeigt die verschiedenen Lebensphasen der Edith Stein: als jüdisches Mädchen mit Davidstern, als suchende Philosophin nach der Wahrheit und als getaufte Karmeliterin in der Nachfolge Christi. Der persönliche Leidensweg von Edith Stein und der zahllosen Ermordeten in den KZ-Lagern wird durch zahlreiche Schuhabdrücke, Schuhe und KZ-Nummern dargestellt.

Die hartnäckige Gottessucherin

„An Gott zu glauben, fällt nicht immer leicht! […] Und doch: In den Herzen vieler schlummert eine große Sehnsucht nach Gott. „Ich erhoffe mir von der Firmung eine bessere Beziehung zu Gott…“, schreiben mir junge Leute in Briefen.

Ähnlich erging es einer der ganz großen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: der heiligen Edith Stein […]. Als Heranwachsende ging sie auf Distanz zu ihrem Glauben und bezeichnete sich zeitweise als Atheistin. Aber sie blieb hartnäckig auf der Suche nach Gott. Sie studierte Philosophie und wollte in die akademische Lehre eintreten. Da sie Frau war, wurde ihr das zur damaligen Zeit verboten. Auch hier blieb sie hartnäckig, allerdings vergeblich. Einen Lehrstuhl erhielt sie nie.

Man sagt: „Zufall ist der Künstlername des Lieben Gottes“. Und durch einen solchen „Zufall“ geriet Edith Stein die Lebensbeschreibung der heiligen Theresia von Avila in die Hände. Das brachte ihrem Leben die entscheidende Wende. Endlich hatte sie den Gott gefunden, nach dem sie suchte. 1922 ließ sie sich taufen. Sie wollte Ordensfrau werden. Ein Geistlicher versuchte ihr das auszureden. Auch hier blieb sie hartnäckig. 1933 trat sie in den Kölner Karmel ein und aus Edith Stein wurde Schwester Teresia Benedicta a Cruce (vom Kreuz gesegnet). Um sich von den Nazis in Sicherheit zu bringen, wechselte sie in den Karmel von Echt in Holland. Als ein holländischer Bischof einen Hirtenbrief gegen die Judenverfolgung verfasste, wurde sie daraufhin eines von vielen Opfern der Rache der Nazis. Am 9. August 1942 wurde sie in Ausschwitz-Birkenau umgebracht.

„Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.“, sagte einmal Papst Benedikt XVI. Edith Stein fand Gott auf intellektuellem Weg. Das entsprach ihrem Charakter, ihrer Neigung und ihren Stärken. Gott lässt sich aber von jedem Menschen finden – unabhängig von sozialem Stand, Bildung oder Herkunft. Edith Stein fand Gott, weil sie hartnäckig suchte. Auch als ihr Gott weit weg schien, betäubte sie ihre Sehnsucht nicht, sondern suchte nach ihm, solange bis sie ihn gefunden hat.

Ich wünsche jedem Menschen, dass er diese Sehnsucht nicht betäubt. Die heilige Edith Stein ist darin vorangegangen.

(Impuls von Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp, 9. August 2017)

Bronzedenkmal zu Ehren von Edith Stein, im Vordergrund befinden sich mehrere herrenlose Schuhe
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Aufgaben

Nutzen Sie weitere Quellen (z.B. https://www.edith-stein-archiv.de/edith-steins-lebenschronik  u.a.)

  • Definieren Sie entscheidende Phasen ihres Lebens.
  • Beschreiben Sie die besonderen Bedingungen und Entscheidungen, die Edith Stein in den Phasen ihres Lebens jeweils getroffen hat. Edith Stein ist in eine jüdische Tradition geboren und in dieser erzogen worden. Dennoch führte sie ihr Weg – über eine zeitweise atheistische Phase – zu einem Leben als Nonne in einem katholischen Orden und schließlich – wie viele Juden – in den Tod in der Gaskammer.

Edith Stein ist in eine jüdische Tradition geboren und in dieser erzogen worden. Dennoch führte sie ihr Weg – über eine zeitweise atheistische Phase – zu einem Leben als Nonne in einem katholischen Orden und schließlich – wie viele Juden – in den Tod in der Gaskammer.

  • Diskutieren Sie vor dem Hintergrund der zeitgeschichtlichen Ereignisse (NS-Zeit, Judenverfolgung, kirchliche Position) die Besonderheit des Lebens von Edith Stein. Beziehen Sie die Aussage der „Opferbereitschaft für das jüdische Volk“ (M1) auch angesichts ihrer jüdischen Wurzeln und der Konversion zum Christentum mit ein. Beziehen Sie die Bezeichnung als ‚Gottessucherin‘ (M3) in Ihre Überlegungen mit ein.

Edith Stein hat durch ihre klare Haltung – v.a. in Fragen der Frauenrechte, ihrer jüdischen Herkunft und besonders in ihrem christlichen Glauben – eindeutige Positionen bezogen, in einer Zeit, in der klares und vom politischen System abweichendes Verhalten sehr gefährlich war und sie schließlich ihr Leben gekostet hat.

  • Wo sehen Sie Ihre persönlichen Möglichkeiten, durch ein eigenes Bekenntnis auf das Leben und die Gesellschaft Einfluss zu nehmen? Wie weit sind Sie bereit zu gehen? Tauschen Sie sich aus und begründen Sie Ihre Position.