Die Sonne ist gerade hinter den Hügeln von Nazareth verschwunden. Im Haus von Maria und Josef riecht es nach frischem Brot und leckerem Essen.
Jesus sitzt auf der Bank am Tisch und schaut neugierig zu seiner Mutter. „Mama, ist heute der Abend?“, fragt er.
Maria lächelt. „Ja, heute beginnt unser Pessachfest. Gleich kommen deine Cousins und Cousinen.“
Jesus freut sich. Pessach ist eines seiner Lieblingsfeste.
Josef stellt kleine Schalen auf den Tisch. Eine mit Kräutern. Eine mit Salzwasser. Eine mit einer süßen Apfelmischung. Und noch andere Speisen.
Jesus kennt das schon ein bisschen, aber jedes Jahr erklärt sein Vater alles noch einmal.
Nach und nach füllt sich das Haus. Stimmen, Lachen, Schritte. Alle setzen sich an den Tisch.
Jesus ist das jüngste Kind. Darum darf er fragen: „Warum unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?“
Josef schaut in die Runde: „Wir feiern, dass Gott unser Volk aus Ägypten befreit hat!“ Und er beginnt mit der alten Erzählung der Errettung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten.
Dann tauchen alle ein Stück Kraut in das Salzwasser. Jesus verzieht das Gesicht.
„Das schmeckt aber salzig!“
Seine Cousine lacht. Josef erklärt:
„Jede Speise hat eine Bedeutung. Das Salzwasser erinnert an die vergossenen Tränen unseres Volkes. Sie erinnern an das Leid, während unser Volk als Sklaven bei den Ägyptern arbeiten musste. Die bitteren Kräuter erinnern uns an die bitteren Zeiten.“ Dann essen sie etwas von der braunen Apfelmischung.
„Und das?“ fragt Jesus.
„Das erinnert daran, dass die Menschen Ziegel aus Lehm herstellen mussten“, sagt Maria. „So wie die Kartoffel hier, die an die schwere Arbeit in der Erde erinnert.“
„Aber du weißt ja, wir haben auch das, was uns daran erinnert, dass Gott unserem Volk geholfen hat.“
Jesus hört aufmerksam zu und nickt.
„Ja, ich weiß. Der gebratene Knochen erinnert uns an das Schlachten des Lammes am Abend des Auszugs aus Ägypten. Und das ungesäuerte Brot, an die Flucht. Es war keine Zeit mehr für anderen Teig.“
Er stellt sich vor, wie das Volk Israel durch das Meer zieht.
Wie Gott sie in die Freiheit führt.
„Und vergiss nicht das Ei, das für die Freiheit steht,“ sagt Josef und lächelt seinen Sohn Jesus zufrieden an.
Später sitzen alle noch lange zusammen. Sie erzählen Geschichten, lachen und essen. Jesus schaut in die Runde.
Seine Familie. Seine Freunde. Alle zusammen an einem Tisch.
Jesus denkt: Dieses Fest erinnert uns daran, dass Gott sein Volk nie allein lässt. Das ist schön!
(privat)