Johännecken – Eine analoge oder digitale Exkursion

Eckpunkte jüdischen Lebens im Rheinland am Beispiel von Siegburg

Ein Bild der Jöhänneckenkapelle in Siegburg
© Olbertz At German Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Sie sind mit Ihrem Kurs auf Exkursion. Am Beispiel von Siegburg sollen Sie über das wechselhafte Verhältnis von Juden und Christen im Rheinland lernen.

Die erste Station ist die Johänneckenkapelle, hinter dem Haus zur Mühlen bei Siegburg.

An der schlichten Kapelle fällt Ihnen erst einmal wenig auf, bis sie die Inschrift lesen.

Ein Foto, durch Vergitterung fotografiert, von Eisenstäben durchbrochen, von dunkler Inschrift auf hellem Grund. Inschrift Johänneckenkapelle: Zur Erinnerung an die Ermordung des Knaben Johännecken um das Jahr 1287.
© Obertz at German Wikipedia, CC BY-SA3.0

Aufgaben 1

  • Betrachten Sie die Bilder und stellen Sie Vermutungen darüber an, was „dem Knaben Johännecken“ passiert sein kann.
  • Berücksichtigen Sie bei Ihren Vermutungen auch die Neuerrichtung im Jahr 1934.

Auf dem Weg zurück in die Siegburger Innenstadt lässt ihnen die Gedenktafel keine Ruhe. Sie recherchieren im Internet und finden folgenden Zeitungsartikel:

Kindermord im Jahre 1287

Siegburg · In Siegburg erinnert ein Bilderstock an den Klosterschüler „Johänneken“, der im Mittelalter ermordet und dann als Märtyrer verehrt wurde. Bis heute ist unklar, weshalb der Junge sterben musste.

(Quelle: Sprünken, Inga, Kindermord im Jahre 1287, General-Anzeiger, 04.01.2020)

Aufgaben 2

  • Erarbeiten Sie sich selbstständig den Zeitungsartikel.
  • Überlegen Sie in Partnerarbeit, welche Details der mittelalterlichen Geschehnisse aus dem Zeitungsartikel sehr wahrscheinlich Fakten sind, welche so gewesen sein könnten und welche unwahrscheinlich sind. Notieren Sie Ihre Ergebnisse in einer Tabelle und bereiten Sie sich darauf vor, Ihre Sortierung zu begründen.
  • Stellen Sie Vermutungen darüber an, warum die jüdischen Bürgerinnen und Bürger beschuldigt wurden, diesen Mord begangen zu haben.

Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer:

Zum besseren Verständnis der Hintergründe kann es ggf. nötig sein, „Ritualmordlegenden“ und „Reliquien“ separat zu besprechen, hier unterstützen zum Beispiel Materialien der Bundeszentrale für politische Bildung (Ritualmordlegende | Antisemitismus | bpb.de) und katholisch.de ( Heilige Überreste – katholisch.de).

Stolpersteine |
Kreisstadt Siegburg

Aufgaben 3

  • Teilen Sie sich die Stolpersteine auf und recherchieren Sie je eine Person. Erzählen Sie sich gegenseitig von den Schicksalen.
  • Tauschen Sie sich untereinander aus. Was hat Sie am meisten berührt?
  • Stellen Sie einen Bezug zur Johänneckenkapelle her. Stellen Sie begründete Vermutungen darüber an, warum die Kapelle 1934 neuerrichtet wurde. Beziehen Sie Ihre Überlegungen aus M1 mit ein.
  • Vergleichen Sie die Situation der jüdischen Bürgerinnen und Bürger zur Zeit des Todes vom Johännecken und zur Zeit des Nationalsozialismus.

Die letzte Station ihrer Exkursion ist ein Brunnen (Am Brauhof, Siegburg), der in Form eines Davidsterns gestaltet ist und am einstigen Standort der Synagoge steht. In einem kreisförmigen Textband inmitten der Pflasterung steht:

Hier stand seit 1841 die Synagoge der jüdischen Gemeinde, der mehr als 300 Mitglieder angehörten.

Die Synagoge fiel am 10.11.1938 den Flammen der Pogromnacht – Reichskristallnacht – zum Opfer.

Durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft – 1933 – 1945 – wurde der größte Teil der Gemeindemitglieder ermordet.

Ihr Tod soll uns mahnend sein.

Ein Foto eines Brunnens in Form eines Davidsterns.
© Alexandra Apfelbaum / CCBY-SA

Am Ende der Exkursion angekommen, treffen Sie sich am Stadtmuseum (Markt, Siegburg).  Hier ist der Bilderstock, über den Sie im Zeitungsartikel (M2) gelesen haben, ausgestellt. Weil es schon so spät ist, ist der Besuch des Museums freiwillig. Ihre Lehrkraft berichtet, dass es im Museum viele Exponate zum Leben jüdischer Bürger in Siegburg gibt (Planen Sie Ihren Besuch | Stadtmuseum Siegburg). Sie gehen mit, schließlich ist „nie wieder jetzt“.

Aufgaben 4

  • Erläutern Sie den Satz „Ihr Tod soll uns mahnend sein.“ mit eigenen Worten.
  • Das Bundeskriminalamt verzeichnete in den letzten Jahren einen Anstieg der Gewalttaten gegen jüdische Mitbürger (u.a. Antisemitische Straftaten / Gewalttaten 2024| Statista), setzen Sie diese Zahlen in Bezug zu der Legende vom Johännecken und zur Zerstörung der Synagoge. Schließen Sie den Satz „Ihr Tod soll uns mahnend sein.“ in Ihre Überlegungen mit ein.
  • Diskutieren Sie kritisch, ob die Johänneckenkapelle nach allem, was Sie gelernt haben, für katholische Christinnen und Christen ein Ort des Gebets und der Andacht sein kann.

Kompetenzerwartungen
(nach dem Kernlehrplan für die GY/GE SEK II)

Die Schülerinnen und Schüler …

· erläutern die Entwicklung der Kirche aus dem Judentum in der frühen Kirche und zeigen das wechselhafte Verhältnis von „altem“ und „neuem“ Gottesvolk in der Geschichte exemplarisch auf,

· erläutern Anliegen der katholischen Kirche im interkonfessionellen und interreligiösen Dialog.